{"id":1,"date":"2025-11-07T14:06:37","date_gmt":"2025-11-07T14:06:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tactonom.com\/?p=1"},"modified":"2026-05-22T08:21:02","modified_gmt":"2026-05-22T08:21:02","slug":"mein-praktikum-bei-inventivio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/2025\/11\/07\/mein-praktikum-bei-inventivio\/","title":{"rendered":"Mein Praktikum bei Inventivio"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Letzten Dezember hatte ich ein Vorstellungsgespr\u00e4ch bei Inventivio. Das Ziel war es, den Gesch\u00e4ftsinhaber, Herrn Hars, davon zu \u00fcberzeugen, mir im Rahmen meiner Ausbildung zur Kauffrau f\u00fcr B\u00fcromanagement ein elf-w\u00f6chiges Pflichtpraktikum im Unternehmen zu erm\u00f6glichen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich sehr auf das Gespr\u00e4ch gefreut, weil ich das Unternehmen und den Tactonom Reader einfach cool finde. Ich hatte das Ger\u00e4t selbst bereits w\u00e4hrend einer Schulung gesehen, an der fast die gesamte Berufsschule teilgenommen hat. Was mich am meisten beeindruckt hat, war die M\u00f6glichkeit, taktile Grafiken mithilfe von Audio-Erkl\u00e4rungen leichter verst\u00e4ndlich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein erster Eindruck vor der Schulung war jedoch ganz anders: Aufgrund eines Facebook-Posts und einiger Meinungen, die ich von anderen geh\u00f6rt hatte, dachte ich zun\u00e4chst, es sei nur eines von vielen Navigationsger\u00e4ten f\u00fcr blinde Menschen. Deshalb war mein Interesse eher gering. Aber ich wurde positiv \u00fcberrascht, als ich den eigentlichen Zweck und den vollen Funktionsumfang gesehen habe! Taktile Grafiken sind hilfreich und werden in Schulen h\u00e4ufig genutzt, um Diagramme und andere Inhalte aus B\u00fcchern darzustellen. Ohne sie ist es deutlich schwieriger, genauso effektiv zu lernen wie eine sehende Person. Audio-Erkl\u00e4rungen sind ebenfalls verbreitet, zum Beispiel in Form von Audioguides in Museen, die blinde Besucher einbeziehen m\u00f6chten. Aber ein Ger\u00e4t, welches taktile und Audioelemente mithilfe einer kamerabasierten Fingererkennung kombiniert und interaktiv erkl\u00e4rt, was sich unter dem Finger befindet? Ja, das ist wirklich sinnvoll und wird vielen Sch\u00fclern helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit gibt es an meiner Schule ein Forschungsprojekt zu einem anderen Ger\u00e4t von Inventivio, und unter anderem wurde auch ich gefragt, ob ich an Teststudien teilnehmen m\u00f6chte. Bisher habe ich an fast jedem Test teilgenommen, zu dem ich eingeladen wurde, und hatte viel Spa\u00df dabei. Es ist spannend, an der Entwicklung von Technologien mitzuwirken, die mir und anderen helfen, in der Schule oder im Beruf durch ein besseres Verst\u00e4ndnis von Grafiken effektiver zu arbeiten. Au\u00dferdem finde ich es einfach cool, Technik zu testen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als im Januar feststand, dass ich mein Praktikum dort machen kann, habe ich mich daher entsprechend sehr gefreut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was waren meine Erwartungen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz meiner positiven Einstellung zum Unternehmen waren meine Erwartungen eher niedrig, weil ich nicht wusste, wie das Team bei Inventivio auf mich und meine Blindheit reagieren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was habe ich bekommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bekommen habe ich eine gute Einarbeitung, totales Verst\u00e4ndnis f\u00fcr meine Blindheit und Orientierungsschwierigkeiten sowie sehr viel Hilfsbereitschaft. Das war ich in diesem Ma\u00dfe nicht gewohnt und bin allen im Team sehr dankbar! Das Beste an allem: Ich wurde nicht einfach nur besch\u00e4ftigt. Ich habe Aufgaben bekommen, die tats\u00e4chlich einen echten Nutzen f\u00fcr das Team hatten. Das hat meine Motivation deutlich gesteigert, weil ich gemerkt habe, dass meine Arbeit einen Sinn hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gutes Beispiel daf\u00fcr war das Testen von Grafiken auf dem Tactonom Reader Flex. Ich habe sie beschrieben, und sie wurden \u2013 teilweise nach Bearbeitung \u2013 auf Instagram ver\u00f6ffentlicht. Es ist ein gutes Gef\u00fchl zu wissen, dass die eigene Arbeit f\u00fcr einen selbst wie auch f\u00fcr andere sichtbar wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Was waren meine Aufgaben?<\/p>\n\n\n\n<p>In der ersten Woche bestanden meine Aufgaben haupts\u00e4chlich darin, alle ben\u00f6tigten Treiber zu installieren. Das war f\u00fcr alle Beteiligten etwas m\u00fchsam, aber notwendig, damit alles funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach waren viele abwechslungsreiche Aufgaben dabei, vom Ausdrucken von Grafiken zu Vorf\u00fchrungszwecken bis zur Kommunikation mit Schulen und nat\u00fcrlich Rechercheaufgaben \u2013 da muss jeder Praktikant durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Der bisher coolste Teil war f\u00fcr mich die Arbeit mit ERPNext, einem Softwaresystem, das unter anderem f\u00fcr die Buchhaltung genutzt wird. In der Schule arbeiten wir nur mit Excel, weil die bisher getesteten Softwarel\u00f6sungen nicht mit Screenreadern nutzbar waren. Das war f\u00fcr mich eine komplett neue Erfahrung. Es hat mir gezeigt, dass es zwar keine zu 100 % barrierefreie Buchhaltungssoftware gibt, aber wenn man bereit ist, mit Software zu arbeiten, die zu 80 bis 90 % mit JAWS oder NVDA nutzbar ist, k\u00f6nnen auch vollblinde und hochgradig sehbehinderte Menschen effektiv in der Buchhaltung eingesetzt werden. Die Buchhaltung selbst entwickelt sich zunehmend in Richtung ERP-Systeme, weil dort, anders als in Excel mit seiner flexiblen und ver\u00e4nderbaren Struktur, bei der Daten leicht gel\u00f6scht werden k\u00f6nnen, jede \u00c4nderung als Korrekturbuchung erfasst wird und damit sichtbar bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was habe ich gelernt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe gelernt, dass es nicht darauf ankommt, perfekt zu sein, sondern darauf, ob man bereit ist, Zeit und Kraft in seine Arbeit zu investieren. Im Gegenzug gewinnt man Freude an der Arbeit, und wenn man Gl\u00fcck hat, ein tolles Arbeitsumfeld!<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem habe ich festgestellt, dass man mit guter Organisation und einem verst\u00e4ndnisvollen Umfeld auch als Morgenmuffel motiviert in den Arbeitstag starten kann. Ein gut organisierter Arbeitsweg, keine langen und komplizierten Strecken, Kaffee und sehr nette Menschen, die ich regelm\u00e4\u00dfig mit vielen Fragen l\u00f6chern kann \u2013 all das schafft eine gute Grundlage f\u00fcr einen gelungenen Start in den Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass man darauf achten sollte, was einem an der Arbeit wirklich Spa\u00df macht. Ich stehe voll hinter dem, was Inventivio ist und was das Unternehmen entwickelt. Das motiviert mich automatisch, mich mehr einzubringen, damit ich zum Erfolg beitragen kann. Als Praktikantin ist dieser Beitrag vielleicht klein, aber er z\u00e4hlt \u2013 und das ist mir wichtig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kann ich Inventivio f\u00fcr blinde Praktikanten oder Bewerber generell empfehlen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein klares und deutliches Ja! Im Team waren es zeitweise mit mir drei Blinde und es wird stark darauf geachtet, dass jeder seine Arbeit machen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wichtig: Es ist kein Praktikum der Art: Du kommst, sitzt deine Zeit ab, hast nichts zu tun und wirst schon irgendwie besch\u00e4ftigt. Wenn jemand das sucht, ist er oder sie hier falsch!<\/p>\n\n\n\n<p>Sucht man jedoch einen coolen Praktikumsplatz mit netten Kollegen und verst\u00e4ndnisvollen Vorgesetzten und ist bereit, sich einzubringen, dann hat man eine tolle und lehrreiche Zeit. Dies ist jedenfalls meine Erfahrung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzten Dezember hatte ich ein Vorstellungsgespr\u00e4ch bei Inventivio. Das Ziel war es, den Gesch\u00e4ftsinhaber, Herrn Hars, davon zu \u00fcberzeugen, mir im Rahmen meiner Ausbildung zur Kauffrau f\u00fcr B\u00fcromanagement ein elf-w\u00f6chiges [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1649,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-1","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1657,"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1\/revisions\/1657"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tactonom.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}